Wiener Linien
Sonnen-Geländer, Entwurf H. Blazejovsky - Foto: M. Weihs

Wiener Stadtbahn:
5. Der Betrieb 1898 - 1989

 

Ab der Eröffnung wurde der Betrieb auf der Wiener Stadtbahn hauptsächlich mit den extra dafür gebauten Dampflokomotiven der Reihe 30 und einem speziellen, zweiachsigen Wagenpark abgewickelt. Schon zu dieser Zeit war aber die Dampftraktion einigermaßen veraltet, sodaß bald Versuche mit elektrischen Fahrzeugen durchgeführt wurden. Diese Versuchsfahrten, durchgeführt in den Jahren 1901, 1902 und 1906, waren zwar technisch sehr erfolgreich, aus betriebswirtschaftlicher Sicht konnten sie jedoch nicht überzeugen.

 

Dampf-Stadtbahnzug   Ein Dampf-Stadtbahnzug verläßt die Station Josefstädter Straße: Lokomotive Reihe 30 mit Wagen Bauart Cu.
Foto ca. 1912 aufgenommen.
 

 

Aber auch der normale Verkehr mit Dampflokomotiven war finanziell sehr aufwendig, sodaß der Betrieb immer mehr eingeschränkt werden mußte und im Ersten Weltkrieg vollkommen eingestellt wurde.

In einem Vertrag, den die Bundesbahnen im Jahr 1924 mit der Stadt Wien abgeschlossen hatten, wurde die Übernahme und Elektrifizierung von drei Stadtbahnstrecken durch die Gemeinde Wien vereinbart. Die Vorortelinie verblieb damals bei den Bundesbahnen.

Die Wiental-, Donaukanal- und die Gürtelstrecke wurden in den Jahren 1924 und 1925 elektrifiziert, die mechanischen Signale wurden zu elektrischen Lichtsignalen umgebaut und sieben Stellwerke regelten den Betrieb in Abzweigungs- und Kreuzungsbereichen.

Für den elektrischen Stadtbahnbetrieb wurde ein eigener Wagenpark angeschafft. 180 zweiachsige Triebwagen der Type "N" und 270 Beiwagen der Typen "n" und "n1" besorgten ab der Eröffnung am 3. Juni 1925 den Personenverkehr.

 

  Ein Stadtbahnzug der ersten elektrischen Generation fährt von der Station Gumpendorfer Straße zum Westbahnhof: Fünfwagenzug der Typen Triebwagen "N" und Beiwagen "n".
Foto ca. 1955 aufgenommen.
  Dampf-Stadtbahnzug  

  Es wurden Züge aus bis zu neun Wagen gebildet, wobei in einem Zug bis zu drei Triebwagen eingereiht waren. Durch die erstmals in Österreich angewendete "Vielfachsteuerung" konnten die Funktionen aller Triebwagen eines Zuges vom führenden Fahrerplatz aus ferngesteuert werden. Gebremst wurden die Stadtbahnzüge ausschließlich durch eine indirekte Kunze-Knorr-Druckluftbremse. Wegen dieser Bremse wurden die ursprünglich weiß/roten Stadtbahnwagen ab dem Jahr 1929 vollkommen rot lackiert, damit die Verschmutzung durch den rostfarbenen Bremsstaub, durch den die Wagen unansehnlich geworden waren, nicht mehr so stark wie bisher auffallen sollte.

Eine Besonderheit der "Wiener Elektrischen Stadtbahn" war die Übergangslinie "18G", die von Heiligenstadt kommend, auf der Gürtellinie bis vor die Station Gumpendorfer Straße fuhr, um dann, auf die Gleise der Straßenbahn überwechselnd, ihre Fahrgäste bis zum Südbahnhof zu bringen. Diese kuriose Linie wurde während des 2. Weltkrieges eingestellt.


Fortsetzung: Stadtbahn-Betrieb 1898 - 1989
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Text: Harald Marincig
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